Die Lilith in uns

Es ist schon Jahre her, damals beschäftigte ich mich intensiv mit Astrologie, da entdeckte ich ein Buch über die Lilith. Es ging sowohl auf die astrologische Stellung ein als auch auf den mythologischen Hintergrund. Was mir aber vor allem gefiel, war die Tatsache, dass es die Thematik nicht einseitig beleuchtete, wie das gerade die ersten Bücher über Lilith taten.

Was wurde der Lilith nicht schon alles vorgeworfen. In der Bibel wurde sie dämonisiert und in den ersten Büchern über die astrologische Qualität der Lilith wurde sie für alles Mögliche verantwortlich gemacht. Dabei ist gerade die Lilith ein großer Helfer – wenn wir denn ihre Hinweise verstanden haben.

 Mir hat die Lilith die Augen bezüglich Schamanismus geöffnet. Ich konnte es zuerst gar nicht fassen, dass meine Lilithstellung tatsächlich ein starker Hinweis darauf ist, dass man sich intensiv mit Schamanismus beschäftigen sollte, ja nicht nur das, sondern dass man mit dieser Stellung regelrecht eine Berufung dazu hat.

 Das ist typisch für Lilith. Über Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende hat sie sich anscheinend mit ihrem Einfluss zurückgezogen. Das war – so sehe ich es heute – unbedingt notwendig, damit wir die Erfahrungen machen konnten, die wir gemacht haben. Doch nun ist die Zeit gekommen, uns unserer Lilith wieder bewusst zu werden. Das ist zwar vor allem für uns Frauen wichtig. Aber auch Männer sollten die Hinweise der Lilith nicht unterschätzen, schließlich tragen auch sie weibliche Teile in sich, darunter eben auch Lilith-Qualitäten. Und wenn sie das leugnen, spüren sie das genauso wie Frauen es tun.

 Ich möchte dies an einem Beispiel erklären. Wer Lilith im sechsten Haus stehen hat – so wie ich – dem sagt Lilith, dass er sich mit seinem Körper und dessen Gesundheit auseinandersetzen sollte. Tut er das nicht, dann zeigt sie über den Körper, was sie uns sagen will. Und das kann soweit gehen, dass wir uns immer wieder verletzen, krank werden – oder gar Schlimmeres. Das ist im Übrigen auch das, was manche der Lilith vorwerfen. Doch es geschieht nur dann, wenn wir unsere Lilith nicht leben. Im Zusammenhang mit unserem Körper bedeutet das, dass wir selbst die Verantwortung für unseren Körper übernehmen müssen und nicht irgendwelchen Autoritäten glauben und gehorchen, ganz gleich wer das ist. In dem Moment da wir das tun, heilen wir nicht nur unseren Körper, sondern sind auch in der Lage, anderen dabei zu helfen – genau das ist aber der Sinn des schamanischen Heilens.

 Da ich erkannt habe, wie wichtig diese Thematik ist, biete ich dazu zwei Seminare an, es sind beides Alean-yu Tage, bei denen wir ganz gezielt ein Thema angehen. Das, welches sich mit der Dämonisierung von Lilith (und Kain) auseinandersetzt, nennt sich Lilith und Kain. Bei dem zweiten geht es um die typischen Wunden des Männlichen und Weiblichen, das heißt Achillesferse und Amazonenbrust.

 Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass fast nichts so befreiend wirkt, wie die Auseinandersetzung mit und die Anerkennung der Lilith in uns. Einmal befreit, hilft sie uns nicht nur sondern spendet uns auch in schwierigen Zeiten Kraft.

 Ach ja, jetzt fragen vielleicht einige von euch, wer oder was denn Lilith ist. Ich sehe es so: Lilith ist das Weibliche in uns, das genau weiß, wer sie ist. Es ist die Göttin, die nicht verlangt, angebetet zu werden, da sie um die eigene Göttlichkeit weiß aber auch die in jedem anderen kennt. Es ist der Teil, der verlangt – aber es auch unterstützt – dass wir authentisch leben. Sie ist das Wissen, dass alles in uns angelegt ist, dass alle Weisheit schon vorhanden ist. Sie ist der Teil, der keine Scham und Reue kennt, weil sie weiß, dass es immer nur um Erfahrungen ging und nicht um Schuld und Sühne. – Wundert es euch da noch, dass sie in der Bibel dämonisiert wurde?

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
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