Über mich

Wenn ihr diese Seite besucht, möchtet ihr ja sicherlich etwas über die Person wissen, die hinter diesen Texten steht. Deshalb habe ich in diesem Bereich, den ich Privates genannt habe, etwas über mich zusammengefasst.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon einen Lebenslauf oder ähnliches geschrieben habe. Immer wieder sah er anders aus, je nachdem, wofür er gedacht war. Letztendlich können wir nicht unser gesamtes Leben beschreiben, denn das würde dann einen Roman mit mehreren hundert Seiten füllen – wenn das denn überhaupt ausreicht. Somit stellt sich die Frage, wie und wo ich die Schwerpunkte setze. An anderer Stelle habe ich ja auch schon über mich berichtet – sowohl auf meiner Verlagsseite als auch auf der Alean-yu-Seite. Und deshalb möchte ich hier mehr auf persönliche Dinge eingehen.

Ich wuchs in einem Vorort von Köln auf, in einem Haus mit tausend Quadratmetern Garten, der eine Zeitlang regelrecht verwildert war, da mein Vater im hinteren Teil das Gras mit der Sense mähte (ich wünsche mir manches Mal, ich könnte auch mit der Sense umgehen). Die ersten Jahre hatte ich eine nahezu unbeschwerte Kindheit, was man auch an den Kinderbildern sehen kann, da strahle ich auf jedem. Allerdings lag meine Mutter für zehn Monate im Krankenhaus, als ich noch keine zwei Jahre zählte. Und da sie körperbehindert war, musste ich auch schon früh helfen.

Aber ich liebte den Garten, die Obstbäume, den Flieder und die Blumen und ich vermute, dass ich auch die Naturgeister sah, auch wenn ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Meiner Mutter erzählte ich bestimmt nichts davon, denn die hätte das alles nur mit „Quatsch“ kommentiert. Ich liebte Märchen über alles, und von meiner Mutter erfuhr ich später, dass ihre Mutter mir oft stundenlang aus den Märchenbüchern vorgelesen hat. Und manches Mal hätte ich auf dem Boden gesessen, ein paar Püppchen und irgendwelche Gegenstände in der Hand und hätte vor mich hingemurmelt. Ich wüsste ja heute zu gerne, was ich denen alles erzählt habe.

Mit der Schulzeit kam für mich wirklich der Ernst des Lebens, nun wirke ich auf den Fotos oft sehr nachdenklich, nur noch selten ist das Strahlen der frühen Kindheit zu sehen. Dann kam der Wechsel zum Gymnasium. Seltsamerweise hatte ich nur wenige Freundschaften, meist mit Kindern, die Außenseiter waren. Das waren zu Beginn die ersten Spanierinnen, die in unsere Klasse kamen, dann Mädchen die älter waren als ich – sitzen geblieben, wie man das nannte. Und kurz vor dem Abitur wurde ich schwer krank, musste elf Monate der Schule fernbleiben und stellte hinterher fest, dass alles anders war als vor der Krankheit.

Erst im Biologiestudium blühte ich richtig auf, hatte auf einmal auch mehrere Freunde, männliche und weibliche. Es kommt mir heute wirklich wie Bestimmung vor. Denn eigentlich hatte ich Medizin studieren wollen. Das hatte etwas mit der Krankheit zu tun. In den langen Monaten hatte ich auch über den Sinn des Lebens gegrübelt, alles infrage gestellt, mich mit dem Tod und dem was danach kommen könnte auseinander gesetzt. Die Quintessenz war, dass ich anderen Menschen helfen wollte und damals kannte ich dafür nur eine Möglichkeit, nämlich Ärztin zu werden. Doch glücklicherweise scheiterte dieser Wunsch am Numerus Clausus. Stattdessen entschied ich mich für die Biologie und beruhigte mich selbst mit der Vorstellung, dass man auch mit einem solchen Wissen den Menschen helfen könne.

Ich weiß nicht, ob es mir damals schon so bewusst geworden war oder ob ich das erst aus der heutigen Sicht sehe, aber es stellte sich heraus, dass für die wirklich wichtigen Fragen des Lebens auch die Biologie keine Antworten kennt. Immer dann, wenn es richtig interessant wurde, hieß es, wie das nun dazu käme, wisse man nicht.

Nach dem Diplom begann ich eine Stellung in der Pharmaindustrie. Auch hier wurde ich geführt, denn ich landete nicht da, wo ich eigentlich hingewollt hatte, sondern in einer Werbeabteilung. Erst einige Zeit später erfuhr ich dies von meinem damaligen Chef. Ich lebte elf Jahre an der Bergstraße, einer zauberhaften Gegend südlich von Darmstadt.

Dann wurde ich arbeitslos, nach einem zermürbenden Kampf mit meiner neuen Chefin und mir selbst. Meine erste Reaktion war, wieder zurück nach Köln zu ziehen in das elterliche Haus und dann meine Zeit zu füllen. Ich machte eine Marketingausbildung, eine Computerschulung und belegte ein Fernstudium in Kreativem Schreiben. Erst einmal alles nur, um nicht untätig herumzusitzen. Doch dann schlugen die Zufälligkeiten wieder zu, ich bewarb mich an einer Heilpraktikerschule für eine Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit – und wurde von dem Leiter überzeugt, stattdessen lieber eine Ausbildung zu machen. Ich arbeitete dort außerdem, gestaltete bald schon die Informationstage, machte Studienberatung und unterrichtete. Wenn ich das alles rückblickend betrachte, so fällt mir auf, dass ich für das, was ich heute mache, meine Ausbildungen und Arbeiten nicht besser hätte planen können.

Über Jahre betrieb ich die Praxis, pflegte meine Mutter, führte den Haushalt und machte Fortbildungen immer nur dann, wenn sie mir für meine Praxis sinnvoll erschienen. Bis ich dann eines Tages zusammenbrach. Ich hatte zwar gemerkt, dass mir alles ein wenig zu viel wurde, dass ich aber auch körperlich vollkommen ausgelaugt war, wollte ich nicht wahrhaben. Bis mich ein Freund mit Craniosacraltherapie behandelte und anschließend den Satz: „Du weißt aber, dass du hart am Abgrund stehst“, geradezu an den Kopf warf. Nein, ich hatte es nicht gewusst, doch nun spürte ich es und zum ersten Mal – vielleicht sogar zum ersten Mal in meinem Leben – dachte ich nicht darüber nach, was mit anderen geschehen würde, sondern ließ einfach zu, dass ich nicht mehr konnte.

Innerhalb kürzester Zeit hatte ich meine Mutter in einem Altenheim untergebracht – vorher schien dies unmöglich zu sein – in wenigen Monaten machte ich mehrere Seminare mit, die für mich und nur für mich waren, und löste so einiges auf, was sich da an netten Sätzen gebildet hatte. Es ist ja nicht so, als hätte ich vorher nichts für mich getan, aber alles zeigte nur marginale Wirkung. Doch nun sah es so aus, als würde sich alles mit einem Knall in Luft auflösen, es schien, als zeigte jetzt auf einmal all die Arbeit, die ich vorher schon getan hatte, ihre Wirkung.

Das Ergebnis war grandios. Die ersten Monate saß ich oft einfach da und konnte es nicht fassen: nicht fassen, was ich all die Zeit vorher getan hatte, wozu ich mich hatte bewegen lassen, welche Muster mich einfach zu etwas gebracht hatten, was ich eigentlich gar nicht wollte. Manchmal fiel es mir geradezu schwer, mich zu erinnern, wie ich mich denn vorher gefühlt hatte. Es gab wirklich ein vorher und nachher und der Tag der Wende ist mir immer noch im Gedächtnis, es war der 11.05.2002.

Es ist nicht so, als würde sich nun nie mehr etwas zeigen, als hätte ich alles erledigt. Immer noch kann es vorkommen, dass ich einen Seelenanteil finde, der nicht vollständig integriert war, immer noch entdecke ich frühere Leben – andere Ausdrücke – die mir etwas zeigen, die mir helfen, leichter mit etwas umzugehen. Und vor noch gar nicht so langer Zeit erhielt ich auch einen weiteren Hinweis meine Mutter betreffend und ich durfte spüren, dass es ein Unterschied ist, alles erledigt zu haben oder in tiefer Liebe zu erfassen, was eine Seele für mich auf sich genommen hat. Aber eines ist anders geworden. Die Auswirkungen sind nicht mehr so gravierend wie damals im Mai 2002. Es ist eher so, als erhielte ich hier noch ein kleines Steinchen, dort noch ein Sahnehäubchen und dahinten noch einen kleinen Hinweis.

 

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
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