Zuspruch für die Unbeirrbaren

Vor Jahren wollte der folgende Text geschrieben werden. Damals stellte ich ihn in ein Forum, die Resonanz war riesig, es war, als hätten ganz viele Menschen auf genau diese Worte gewartet. Nun auf einmal, so will es mir scheinen, wird der Text wieder wichtig. und deshalb stelle ich ihn nun hier hin.

Du hast dir einen seltsamen Weg gewählt. Du hast immer gewusst, wo dein Weg entlang geht, und dich dann doch von anderen, scheinbar stärkeren beeinträchtigen lassen. Du hast gewusst, dass alles in Ordnung ist, und doch haben sich immer wieder Zweifel gemeldet.

 Du kanntest den Weg zu deinem Herzen, und musstest dir von anderen sagen lassen, dass du blauäugig, dumm und heillos naiv bist.

Du wusstest, dass alles in Ordnung ist, doch die anderen versuchten dir weis zu machen, dass die Erde ein Tal des Jammers ist.

Du kanntest den Gott in dir – und hast ihn doch über Jahre geleugnet, weil nicht sein konnte, was andere ja auch nicht spüren.

 Immer wieder hast du Dinge getan, nicht weil du deren Richtigkeit erkanntest, sondern weil du ein schlechtes Gewissen gegenüber denen hattest, die weniger begünstigt schienen als du.

Du hast Hilfe angeboten, selbst dann, wenn du wusstest, dass es für den anderen besser gewesen wäre, ohne Hilfe eine Lösung zu finden. Du hast es einfach getan, weil du mehr gesehen hast und glaubtest, mehr Kraft als sie zu haben.

 Du hast dich manchmal gefragt, wie es überhaupt weitergehen solle, weil du keine Kraft mehr zu spüren schienst, und doch kam immer im rechten Moment die Kraft.

 Du hast selten Dank erwartet, weil du wusstest, dass es nun mal so ist. Doch dann wundertest du dich, wo deine Freude geblieben war. Doch wenn sie sich zeigte, hattest du wieder ein schlechtes Gewissen, weil Freude nicht sein darf, solange es so viel Leid gibt.

 Du wusstest, dass nichts so schnell Veränderungen bewirkt, wie Freude leben, und doch schnittest du dich davon ab, als du sahst, dass die anderen leiden.

 Trotzdem blieb die Freude in dir, sie lebt und will endlich an die Oberfläche. Du hast so lange den Weg gehalten, lass ihn los, denn nun wissen auch die anderen, wo es lang geht.

 Trotz all der Umwege, aller Kritik von anderen und scheinbaren Verführungen, bist du nie wirklich von deinem Weg abgekommen, doch nicht alle Menschen liebten dich dafür. Du warst auf eine sanfte Art unbequem.

 Du wusstest immer, dass dein Wissen für dich gilt und nicht automatisch für andere, und dass es nicht nur eine Wahrheit gibt. Deshalb warf man dir oft vor, du hättest keine Meinung. Denn sie wussten nie, was sie von dir halten sollten, du warst so wenig greifbar, weil du in keine Schublade passt.

 Es ist wichtig, dass es solche Menschen wie dich gibt. Es ist in Ordnung, dass du weder wie die Masse sein willst noch wie die, die aufbegehren. Dein Wissen, dass es auch anders geht, ist notwendig für die Vielfalt. Scheue dich nicht, deine Freude zu zeigen. Lege die Scham ab, die du gegenüber denen fühlst, die es nicht so gut haben – denn diese Scham nützt ihnen gar nichts.

 Verstecke weder deine Freude noch dein Wissen, es ist genau das, was die Welt möchte – von dir. Ein Lachen von dir hilft mehr, als alles andere.

 Und sei gewiss: du bist damit nicht allein. Doch ihr Unbeirrbaren seid die Stillen im Land. Ihr schreit euer Wissen nicht so schnell heraus, ihr fallt auch nicht so unangenehm auf, wie andere Gruppen. Deshalb ist es an der Zeit, sich endlich zu zeigen.

 

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Erkenntnisse veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar