Neid – Anlass zum Wachsen

Ich erlebe es immer wieder, dass gerade dieses Thema – selbst unter angeblich spirituellen Menschen – unter den Tisch gekehrt wird. Unsere Gesellschaft will anscheinend mit dieser Eigenschaft nichts zu schaffen haben.

Andere Kulturen sind da ehrlicher. Im keltischen Schamanismus lernte ich Möglichkeiten kennen, mich sowohl vor dem Neid anderer zu schützen als auch, mir meines eigenen Neides bewusster zu werden. Und von den Mayas erfuhr ich, dass für sie dieses Thema durchaus sehr wichtig ist.

In meinem eigenen Leben durfte ich erleben, was geschieht, wenn ich mich mutig der Erkenntnis stelle, neidisch zu sein.

Es ist schon viele Jahre her, ich versuchte damals gerade, meine ersten Manuskripte bei Verlagen unterzubringen und erhielt immer nur Absagen. Dann musste ich feststellen, dass eine andere Frau anscheinend erfolgreicher war als ich, ich blätterte in ihren Romanen und fand sie einfach nur schlecht. Wie konnte es kommen, dass sie gedruckt wurde und ich nicht?

Irgendwann gab ich zu, dass ich schlicht und einfach neidisch war. Aber ich ließ es dabei nicht bewenden sondern fragte mich, ob es nicht eine Erklärung dafür gab, dass diese Frau erfolgreicher gewesen war. Fast gleichzeitig erfuhr ich, wie sie ihr erstes Manuskript untergebracht hatte. – Heute liebe ich solche Synchronizitäten, schenkt uns doch in solchen Fällen unsere Seele immer die Antworten und die Möglichkeit, etwas zu erlösen.

Diese Frau hatte etwas getan, das ich damals einfach nur als frech empfand und gleich darauf schoss mir durch den Kopf: „Das hätte ich mich nie getraut“. Der nächste Gedanke lautete: „Wieso eigentlich nicht?“. Da ich mich damals schon mit Astrologie beschäftigte und auch akzeptiert hatte, dass wir mehr als einmal auf dieser Erde weilen, fragte ich mich, ob ich Hinweise finden könnte.

Dem war dann so. In meinem Horoskop fand ich einen, als nächstes fragte ich – ich glaube mit dem kinesiologischen Selbsttest – ob das miteinander zu tun habe und ein Hinweis auf ein früheres Leben sei. Nun, auch das stimmte. Und so sah ich mir das an. Ich weiß schon nicht mehr, ob ich das in einem Traum tat, in einer Meditation oder ob ich da schon schamanisch reisen konnte. Letztendlich ist das auch gleichgültig. Schlussendlich erklärte mir das, was ich da sah, warum ich nie eine solche Frechheit besessen hatte.

Wundervoll erkannt, könnte man nun denken. Der Neid war auch interessanterweise verschwunden. Was mich aber regelrecht begeisterte, war noch etwas ganz anderes, das dann wie ein Geschenk kam. Seit der Zeit spüre ich sehr viel mehr Vitalität, es fällt mir sehr viel leichter, Dinge in Angriff zu nehmen und ich schiebe nichts mehr so leicht auf die lange Bank, wie ich das damals häufig tat. Denn in jenem Leben, das ich mir angesehen hatte, hatte ich fast einen Menschen umgebracht, daraufhin hatte ich beschlossen, dass mir das nie wieder passieren dürfe. Ich hatte mich nicht nur von aller Aggressivität sondern auch von meiner Vitalität abgeschnitten. Und „frech“ sein durfte ich natürlich auch nicht.

Heute sage ich: es ist enorm wichtig, sich diesen angeblich so schrecklichen Lastern zu stellen. Gib zu, wenn du neidisch bist, jemand anderem etwas nicht gönnst oder ähnliche Gefühle hast. Und dann schau dir an, warum das so ist. Solche Gefühle können auch aus einem Mangeldenken entstehen – woher auch immer das herrührt. Nimm den Neid – oder was immer es auch ist – zum Anlass, dir anzuschauen, was du noch nicht erlöst hast, statt dich über dich oder andere aufzuregen.

Das gleiche gilt für den Neid der anderen. Denn manchmal, wenn wir Probleme haben, ist es nicht unser Neid sondern der Neid eines anderen auf dich. Und auch das will angesehen werden – darüber werde ich dann ein anderes Mal berichten.

 

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
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