Neue Erkenntnisse zu einem alten Thema

Vor einigen Jahren schrieb ich den unten stehenden Artikel. Das Thema hat mich immer wieder einmal beschäftigt, es scheint so ganz meines zu sein. Es führte mich irgendwann auch dazu, einen gänzlich anderen Text zu schreiben, den ich ebenfalls hier in meinem Blog veröffentlicht habe: Zuspruch für die Unbeirrbaren. Als ich diesen damals in einem Forum veröffentlichte, bemerkte ich voller Staunen, wie viele Menschen sich davon angesprochen fühlten.

Nun las ich vor kurzem in den neuesten Channelings von Kryon (aufgezeichnet von Lee Carroll) und dann ging mir auf einmal etwas noch ganz anderes auf. Unter anderem spricht er davon, wie wichtig es sei, andere da stehen lassen zu können, wo sie sind – nun mit meiner unten erwähnten Gabe fällt mir das relativ leicht. Aber etwas anderes hat mich noch viel mehr beeindruckt. Nämlich der Hinweis, dass immer mehr Menschen, auch solche, die scheinbar gar nicht auf dem spirituellen Weg sind, sich davon sehr viel mehr angezogen fühlten als von Dramen.

Letztendlich bestätigt das meine Erfahrung der letzten Jahre. Das Drängen anderer, ich solle doch meine Meinung kundtun, oder Stellung beziehen, hat nachgelassen, ja ist in der letzten Zeit nahezu vollständig verschwunden. Ich hatte gedacht, es hätte etwas mit mir – und nur mit mir – zu tun. Doch nein, es ist wieder einmal auf mehreren Ebenen. Es ist nicht nur so, dass ich andere Menschen anscheinend nicht mehr wahrnehme oder anziehe, nein, es gibt immer mehr Menschen, die dieses Stehen-Lassen-Können dem Drama-Spielen vorziehen.

Und nun freue ich mich noch wesentlich mehr über diese meine Gabe, als ich es damals in dem Artikel zum Ausdruck brachte.

 

Die verwünschte Gabe

Ich habe diesen Titel ganz bewusst gewählt. Wer die Weihnachtserzählung von Charles Dickens; „Der Verwünschte“ kennt, wird am Ende möglicherweise ahnen, warum ich den Titel wählte.

Die Idee zu diesem Text kam mir, als ich über heiße Diskussionen nachdachte, deren Zeuge ich geworden und aus denen ich mich herausgehalten hatte. Ich glaubte plötzlich die Stimmen derer zu hören, die da fragten: „Warum sagst du nichts? Warum beziehst du nicht Stellung?“ Es wäre nicht das erste Mal, solches zu hören. In früheren Jahren hätte ich, wenn ich ehrlich gewesen wäre, sagen müssen: „Ich mag nicht in die Schusslinie geraten.“ Aber es wäre nur die halbe Antwort gewesen, doch die andere Hälfte war mir damals nicht bewusst.

Es ist nämlich im Grunde etwas anderes, das mich davon abhält, Stellung zu beziehen. Ich kann die Beweggründe hinter den Argumenten der einzelnen Personen sehen, sowohl der einen als auch der anderen Seite. Ja, ich nehme oft genug wahr, dass sie guten Grund haben, genau das zu sagen, womöglich genau so es zu formulieren. Ich höre hinter den harschesten Worten, die zu hören oder zu lesen sind, die Tränen der Seele heraus. Tränen der Wut, der Angst, des Zorns, des Verlassenseins oder welche Wunde auch immer es ist, die diesen Menschen so sprechen lässt.

Wir bringen uns eine Reihe von Gaben mit, wenn wir auf diese Erde kommen. Manche können wir durchaus als Begabungen bezeichnen, oder zumindest als Fähigkeiten. Der eine fühlt stark, was ein anderer fühlt, der nächste fühlt Energie mit den Händen, wieder ein anderer sieht Energien oder nimmt wahr, was in nächster Zukunft geschieht.

Ich habe mir, so will es mir scheinen, eine etwas unheimliche Gabe mitgebracht. Ich erkannte sie, als ich mir mein Horoskop näher ansah. Da zeigte sich eine tiefe Verletzung meines Merkurs, die aber gleichzeitig auch auf eine große Fähigkeit hindeutet.

Es ist eine Art Sehen hinter den Wörtern, es geht noch tiefer als der Sinn eines Satzes. Ich bemerke die Wahrhaftigkeit – oder auch Lüge – eines Ausspruchs. Lüge in dem Sinne, dass derjenige etwas anderes sagt als er meint. Gleichzeitig nehme ich aber auch die Verletzungen wahr, die sich hinter den Worten verbergen.

Als ich damals den Text zu meiner Merkurstellung (Ich habe Merkur und Chiron in Konjunktion) las, erschrak ich zutiefst. Diese Fähigkeit schenkt gleichzeitig auch eine große Rednergabe, sie wurde in dem Text mit der von Goebbels verglichen. Und mein erster Gedanke dazu war: „Oh, Gott, nur das nicht!“

Schnell wurde mir klar, dass meine Scheu zu reden, die ich als junger Mensch meist gezeigt hatte, wohl ein unbewusster Selbstschutz gewesen war. Nun, da ich endlich meinen Merkur erlöst hatte, wollte ich nicht in alte Sprachlosigkeit zurückfallen und so sagte ich nur: „Bitte, haltet mir den Mund zu, wenn ich beginne, andere zu manipulieren.“

Jahre später beschäftigte ich mich mit den Dämonen, die meine eigenen sind. Ich spürte tiefes Mitgefühl mit diesen dunklen, verletzten Gestalten. Ich erinnerte mich wieder an das Märchen von der Schönen und dem Biest. Schon als Kind hatte es mich zutiefst angerührt. Die Geschichte schien sich nun zu wiederholen – in meinem eigenen Inneren.

Inzwischen nehme ich jene Dämonen auch in so manchen Sätzen meiner Mitmenschen wahr. Ich bemerke ihre eigenen Dämonen, die sie nach außen zu tragen versuchen. Nicht wissend, was sie mit diesen dunklen Gestalten beginnen sollen. Nun ist es zwar nicht mehr meine Angst zu manipulieren, die mich am reden hindert – ich habe erkannt, dass auch diese aus einer alten Wunde in mir herrührte – sondern eine neue Form von Sprachlosigkeit. Was soll ich Menschen in Diskussionen sagen? Ich kann nicht mit ihnen diskutieren, wenn ich die Bilder dahinter sehe. Ich müsste ja zu jedem Satz mindestens eine halbe Seite Erklärungen dazugeben. Und so wende ich mich lieber einem andern Feld zu, schreibe meine Geschichten und Romane, die genau das beinhalten, was ich in den Diskussionen sagen müsste.

Ich trage das Bild aus der eigenen Betroffenheit in ein anderes Umfeld, in der Hoffnung, dass es dort leichter verstanden wird. Ich nehme bewusst in Kauf, dass die meisten Menschen mein Verhalten nicht verstehen.

Als mir all dies durch Kopf und Herz ging, da erinnerte ich mich an Charles Dickens Erzählung. Jener Mr. Redlaw (der Verwünschte in der Erzählung) hatte sich Vergessen gewünscht. Denn Erinnerungen an Kummer und Sorgen, so schien es ihm, dienen niemandem. Er hatte nicht bedacht, dass damit das Wichtigste vergessen wird, nämlich wozu der Mensch fähig ist. Und erst Milly zeit es ihm:

„Darf ich Ihnen sagen, warum es mir gut zu sein scheint, wenn wir uns an das Unrecht erinnern, das uns widerfahren ist?“

„Ja.“

„Damit wir es vergeben können.“

Ich habe weder das „Unrecht“ vergessen, das mir angetan wurde, noch das, welches ich anderen antat. Zumindest kann ich mich an einen großen Teil davon erinnern. Dieses Erinnern hält mich davon ab, je zu sagen: „Das könnte mir nie passieren!“ Ich weiß, dass ich es schon längst irgendwann getan habe.

Diese Gabe, sich daran zu erinnern, ist vielleicht manchmal unangenehm, denn es lässt mich immer wieder mal zweifeln, zweifeln an dem, was ich tue oder sage. Andererseits ist sie auch hilfreich. Wie alles im Leben hat auch diese Gabe zwei Seiten, mindestens. Und auch wenn ich sie im Titel als verwünschte Gabe bezeichnet habe, ich habe sie angenommen.

Es mag jetzt den Anschein haben, als hätte ich von zwei unterschiedlichen Gaben gesprochen. Doch es ist nur der Schein, im Grunde ist es ein und die gleiche Gabe.

 

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
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