Mann und Frau

Meist weiß ich ja sofort, wie ich einen Text nennen soll. Aber in diesem Fall gab es keinen Impuls – deshalb habe ich erst einmal Mann und Frau geschrieben. Denn letztendlich geht es darum – im Außen und im Innern. Normalerweise hätte ich die einzelnen Erkenntnisse gar nicht festgehalten, ich tue es deshalb, weil sich mehrere hintereinander gemeldet haben, und das ist eben so seltsam, dass es für mich Bedeutung erlangt.

Das erste meldete sich noch am Morgen (03.04.) vor dem Aufwachen, wenn ich es genau überlege, geschah es sogar schon in der Nacht. Da erlebte ich zuerst sehr eigentümliche, fast schon unangenehme Situationen, die aber zuerst sehr nebulös blieben und die ich nicht einordnen konnte. Ich wachte kurz auf – noch nicht richtig wach – erinnerte mich und „sah“ alles noch einmal in einer Art mehrdimensionalen Schnelldurchgangs.

Eine Zeit später las ich – ich glaube in einem Forum – einen Text, der irgendwie zum Thema zu gehören schien, oder auch nicht. Und ich beließ es dabei. Doch dann machte ich aus einem anderen Grund eine schamanische Reise und siehe da, das alles meldete sich noch einmal. Und das bedeutete für mich: schau es dir genauer an. Nun, ich erkannte den Hintergrund, wieder in einer chaotischen Mehrdimensionalität und nun empfinde ich es als Herausforderung, das alles in lineare Sprache umzusetzen. Aber ich will es versuchen.

Deshalb beginne ich mit dem Wesen, mit dem es anscheinend hauptsächlich zu tun hat. Es handelt sich um eine Seele, der ich in nahezu jeder Inkarnation begegne, um es einfacher zu halten benutze ich den Namen, den die Seele mir immer nennt: Cosmo, wohl wissend, dass es erst einmal weder männlich noch weiblich ist. Bisher zeigte es sich immer als unterstützender, liebender Mensch. Ich muss es so formulieren, denn die Seele ist dies ja alles immer. Aber ich habe auch immer den inkarnierten Mensch so empfunden, ganz gleich, ob wir ein Liebenspaar waren, Mutter und Sohn, Lehrer und Schüler, Freunde oder Freundinnen. Ich weiß, dass dies etwas ganz besonderes ist, weil nämlich eher selten. In diesem Leben ist Cosmo ein Mann, dem ich nur einmal ganz kurz begegnet bin, als wir beide zwanzig waren.

In dieser Nacht erlebte ich höchst seltsame Szenen, die ich zuerst nicht einordnen konnte. Es hatte etwas mit einer Frauengruppe zu tun, deren Mitglieder intime Beziehungen untereinander pflegten, und ja, alle miteinander, jede mit jeder. Nicht, dass die lesbisch waren, sondern es sollte dazu führen, dass sie sich vertrauter waren als mit anderen Menschen, es sollte sie aber auch aneinander binden. Warum, dahinter kam ich nicht. Dann konnte ich erkennen, dass die Frau, die ich damals für die beste, engste Freundin hielt, mich hinterging. Und zwar in dem Sinne, dass sie alles, was ich entwickelte und tat, als ihre Entdeckung ausgab. Ich war sozusagen der Ideenlieferant, sie heimste das Lob und die Lorbeeren ein. Dahinter kam ich damals aber erst nach einer ganzen Weile (es widersprach meiner damaligen Vorstellung von dem, was diese Gruppe ausmachen sollte). Dazu muss man wissen, dass mein Seelenthema Freundschaft ist. Und ich hatte damals das Gefühl, von einer Freundin hintergangen worden zu sein. Und nun kommt das, was ich im ersten Moment als riesige Herausforderung empfand. Denn die Seele, die diesen Ausdruck hatte (diese hinterhältige Freundin) das war: Cosmo.

Diese Information erhielt ich in meiner schamanischen Reise und erfuhr da noch mehr. Es hieß: das war das Ende von Lemurien, es war sozusagen euer Sturz aus dem Paradies. Genau deshalb hattet ihr auch so etwas (Schreckliches) kreiert. Und genau deshalb hattet ihr dies mit einer vertrauten Seele ausgemacht. Und jetzt fragen wir dich: kannst du diesen Menschen, die damalige Frau, den heutigen Mann und alle anderen Ausdrücke trotzdem lieben? Es hieß nicht, kannst du die Seele lieben, denn das sollte mir ja nicht schwer fallen. Nein, es hieß: kannst du diesen Menschen lieben?

In der Reise begab ich mich also wieder in die uralte Situation und begegnete der Frau als Frau (so wie ich das oft mache, wenn ich in andere Inkarnationen einsteige) und ich empfand auf einmal tatsächlich ganz tiefe Liebe. Nämlich in dem Moment, da ich als Mensch erkennen durfte, was hinter dem allen stand.

Und nun verstand ich auf einmal noch mehr. Als erstes begriff ich nun endlich, warum ich häufig beim Thema Mann und Frau anders reagiere als viele andere Frauen. Meine größte Wunde rührte nicht aus einer Mann-Frau-Beziehung her, sondern aus einer Freundschaft von Frau zu Frau – und das bei einer Seele, deren Hauptthema Freundschaft ist. Ich begriff, warum meine größten Herausforderungen in anderen Leben immer von Frauen herrührten, und zwar dann, wenn ich auch eine Frau war. Ich begriff, warum in diesem Leben meine größte Herausforderin meine Mutter war. Und ich verstand, warum es mir immer so leicht fiel, mit einem Mann befreundet zu sein. Ich verstand nun auch, warum ich meinen größten Seelenwunsch (zu erfahren, dass aus Feinden Freunde werden können) erst einmal nur von Mann zu Mann wahr machen konnte. Wer weiß – so vermute ich – vielleicht wird es die Herausforderung eines späteren Lebens sein, das von Frau zu Frau zu erleben. Aber vielleicht hat es sich auch durch die Arbeit, die ich gestern getan habe, erledigt.

Und im Übrigen verstand ich nach dieser Reise auch, warum ich gestern beim Legen der Karten erst einmal verwirrt war (ich erwähne dies im Beitrag: Bin ich ein Sonderling?) Wenn ich sie nämlich auf das im Traum Erlebte beziehe, machen sie noch mal einen anderen Sinn. Es hat mich zusätzlich nachdenklich gemacht, in dem Sinne, dass Karten manchmal Hinweise auf etwas anders geben als wir glauben. Dazu fällt mir etwas ein, was vor Jahren geschehen ist. Da wollte ein Bekannte für mich Karten legen – ich hatte sie nicht gebeten, aber sie hatte mich gefragt. Sie war eine gute Kartenlegerin, doch bei mir schien es nicht zu funktionieren und sie brach nach einer Weile mit der Bemerkung ab: „Das ist alles Quatsch, was ich da sage. Bei dir funktioniert es nicht.“ Damals ließ ich es so stehen. Erst Jahre später fiel mir das alles wieder ein, ich hatte inzwischen genauere Kenntnis von ein paar weiteren Ausdrücken von mir, und auf einmal machten die Erklärungen – soweit ich sie noch in Erinnerung hatte – Sinn. Die Aussagen hatten sich nicht auf mein jetziges Leben sondern auf das andere bezogen.

Nun, nach diesem seltsamen, oben beschriebenen Erlebnis, kam ich auf die Idee, ob nicht auch bei meinen Karten, die ich gezogen hatte, genau das Gleiche passiert war. Und siehe da, es schien zu funktionieren. Dazu möchte ich ein Beispiel nehmen. Das Legesystem sollte der Selbsterfahrung dienen. Eine Karte zeigte das Ziel an und zwar das greifbare Ziel. Da hatte ich den König der Schwerter gezogen, allerdings umgekehrt. Nach meinem Buch hätte das bedeutet: Grausamkeit, Sadismus. Das als Ziel? Das konnte ja wohl nicht sein. Im Indianertarot heißt es zu umgekehrten Karten nur, das würde andeuten, dass etwas eher verborgen, noch nicht bewusst ist. Aber auch das half mir nicht richtig. Und witzigerweise zog ich an der Stelle, als ich die Intdianerkarten selbst zum gleichen Legesystem befragte, das Totemtier Delfin. Wie passte denn das zusammen?

Doch wenn ich mir nun diesen seltsamen Traum ansehe, dann habe ich eher das Gefühl, dass das Ziel war, mich diesem Thema zu stellen, das sehr wohl Grausamkeit, ja Sadismus in sich birgt. Es ist nicht das Ziel, so zu werden – welch abartige Vorstellung – nein das Ziel ist, mich diesem Thema zu stellen, es mir anzusehen, vor allem zu akzeptieren, dass ich das mit genau der Seele erlebt habe, die ich immer nur als liebevoll, unterstützend und sanft erfahren habe. Und dann sie trotzdem zu lieben (Seufz).

Viele Menschen bilden sich ein, das Schlimmste überhaupt sei zu erfahren, was man alles gewesen sei: Mörder, Folterknecht, Sadist oder was auch immer. Ich sage nein: es tut viel weher, zu erkennen, dass wir mit einem Menschen, dessen Seele uns vertraut ist, etwas ausgemacht haben, bei dem der andere uns als Mensch hintergeht, uns seelisch quält oder was es da sonst noch gibt. Doch einmal erkannt, auch als Erdenspiel erkannt und hinter den Schleier geschaut, birgt es in sich die größte Erlösung und die tiefste Freude.

Ich weiß nicht, ob alles so klar herüberkommt, wie es mir inzwischen ist. Mir ging es vor allem darum, anderen Mut zu machen, einmal die Dinge anders als gewöhnlich zu betrachten, auch anders, als viele das im spirituellen Kontext tun. Nur wir selbst können wissen, was etwas für uns bedeutet. Wir spüren, ob da eine Resonanz ist oder nicht. Wir finden in uns den Mann und die Frau – damit wir wieder beim Thema des Titels sind – und wir finden in all den früheren Leben die Hinweise, die wir benötigen. Allerdings nur dann, wenn wir den Mut haben, sie uns anzusehen, ohne Beschönigungen, ohne romantische Vorstellungen. Unsere Liebe zu uns, zu einem Partner, zu einem anderen Menschen, wächst an dem, was wir akzeptieren können. Doch jeder wird es anders erleben, nämlich je nachdem, was sein Seelenthema ist. Denn das ist die Brille, durch die wir alles anschauen.

 

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker - oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand
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