Schöpfen aus dem Brunnen der Weisheit

Wenn wir unser Menschsein als alleingültige und einzige Daseinsform unseres Lebens betrachten, sind wir oft verwirrt von dem, was geschieht. Und andererseits sieht es dann auch so aus, als könnten wir nie einen Schritt weiterkommen, würde sich nie etwas verändern.

Ich sehe das anders. Ich bin inzwischen davon überzeugt – ja ich weiß es, allerdings nicht mit dem Kopf –, dass es anders ist. So wie ich es sehe, haben wir in unzähligen Inkarnationen Erfahrungen gesammelt. Erfahrungen, die unsere Seele nicht machen könnte ohne einen irdischen Körper, ohne die Dichte der Erde, ohne den Schleier, der uns vom All-Einen trennt. Wir haben wie Eichhörnchen gesammelt, in unseren Leben auf der Erde aber auch in anderen Sternensystemen. Wir als Menschen haben anscheinend erst einmal nichts davon. Doch unsere Seelen nutzen all dieses von uns zusammengetragene Wissen, transformieren es und stellen es uns als Weisheit zur Verfügung.

Es hat im Laufe der Zeiten immer wieder Versuche des Menschen gegeben, an dieses Wissen und die Weisheit zu gelangen. Wir können in Form von Channeln andere Wesenheiten fragen, wir können uns in schamanische Reisen begeben, meditieren oder was auch immer. Immer dann, wenn wir es schaffen, uns ein Stück weit aus der Dichte der Erde herauszubegeben, erfassen wir einen winzigen Teil dieser allgemeingültigen Weisheit. Da diese so weit von uns entfernt war, hörte sich das oft bei den einzelnen Menschen unterschiedlich an. Erstaunlicherweise – für mich nicht erstaunlich – gab es aber schon immer sehr viele Übereinstimmungen, und zwar mehr, als sich durch Zufall erklären lassen.

In den einzelnen Kulturen haben sich die unterschiedlichen Formen in verschiedenster Ausprägung ausgebildet. Eine, die sich als besonders wirkungsvoll erwiesen hat, ist die schamanische Arbeit. Allerdings hat häufig eine Form die anderen Formen verdrängt – mit wenigen Ausnahmen. Das bedeutet, dass selten in einer Kultur Schamanismus, Durchgaben (Channelings), Meditieren u.a. nebeneinander vorliegen. Und fast immer waren es einige wenige Menschen, die sich auf dieses Abenteuer einließen, aus dem Brunnen der Weisheit zu schöpfen. Oft genug schienen sie von der anderen Seite dazu ausgewählt worden zu sein (bei den Schamanen war es meistens die Berufung, die oft mit einer Krankheit einherging). Und oft genug war es nicht gerade leichte Arbeit.

Inzwischen haben sich die Energien auf der Erde verändert, viele haben erkannt, dass man nicht dazu berufen sein muss – jedenfalls nicht im alten Sinne –, um an diesen Brunnen der Weisheit gelangen zu können. Eine Konsequenz daraus war die Entwicklung der neuen Formen des Schamanismus (Core-Schamanismus, Neo-Schamanismus u.a.) aber auch die fülle von Menschen, die scih direkt verbanden (channelten).
Ich gehe hier noch weiter. Ich benötige nicht einmal mehr die alten Techniken im strengen Sinne, um aus dem Brunnen der Weisheit schöpfen zu können. Es erfordert nur ein bisschen Mut, ein Vertrauen darauf, dass meine Seele mich führt, und die Bereitschaft zum Risiko, nämlich dem, dass ich mich auch schon einmal vertun kann – in dem Sinne, dass ich die Hinweise nicht ganz richtig verstanden habe. Und natürlich Üben, denn je häufiger ich diesen Brunnen aufsuche, desto vertrauter wird mir das alles.

Dieser Brunnen, von dem ich immer wieder spreche, ist ein Bild, nicht mehr aber auch nicht weniger als das. Es ist das Bild, das mir gezeigt wurde. Es kann bei einem anderen Menschen auch ein Teich, ein Bach, ein Meer oder was auch immer sein. Meistens ist es allerdings Wasser in irgendeiner Form. Und ich nehme immer ein Wesen dort an dem Brunnen wahr, für mich Sinnbild meiner eigenen inneren Weisheit.

Ich bezeichne meine Arbeit immer noch als schamanische Arbeit – einfach deshalb, weil es kein besseres Wort gibt. Und schließlich komme ich aus der Tradition des schamanischen Arbeitens. Andererseits haben mir Szenen aus anderen Leben meiner Seele gezeigt, dass ich dieses Schöpfen aus dem Brunnen der Weisheit nicht zum ersten Mal tue – und das, was ich da sah, nannte sich weder Schamanismus noch hatten diese Menschen eine Ahnung davon, was das ist. Ja, sie sprachen nicht einmal darüber, weil es zu gefährlich war. Und so hatten sie natürlich auch keinen Namen dafür. Man könnte es mystische Schau nennen, doch auch dieses Wort hat inzwischen bestimmte Bedeutungen und es trifft es nicht wirklich, was ich da tue und wohl schon oft im Laufe der Jahrhunderte getan habe.
Dies ist ein weiterer Punkt. Wenn ich schon häufiger als ein Mensch auf der Erde weilte, der sich wie auch immer mit diesem Brunnen der Weisheit verbunden hat, fällt es mir in diesem Leben leichter, dorthin zu gelangen. Aber gerade dann, wenn es „damals“ nicht der klassischen Tradition des Schamanismus entsprach, fühle ich mich heute mit der Enge der meisten schamanischen Gepflogenheit nicht wohl. So ist es mir ergangen, und erst, als ich diese „anderen“ Leben gesehe3n hatte, verstand ich das.

Ich habe vor einiger Zeit in Romanform die Leben jener Menschen, die auch ich waren, festgehalten. Sie nutzten damals Kraftorte, Symbole auf ihrem Körper oder auch bestimmte Öle, um in einen anderen Bewusstseinszustand zu gelangen und auf diese Weise ihre innere Weisheit zu befragen. Sie wurden es von einem Menschen gelehrt, der das ebenfalls konnte (Mönch/Druide, Templer/Troubadour, Zigeuner, um nur einige zu nennen). Nie wurde von Schamanismus (oder einem Synonym) gesprochen und immer hieß es, man solle nicht darüber reden. Vor allem aber nutzte es der Mensch ausschließlich für sich selbst.

Mir will scheinen, dass ich mit diesen Erfahrungen nicht alleine bin. Gerade diejenigen, die keine traditionelle Berufung zum Schamanen erfahren haben, sich aber sehr wohl von dieser Art Arbeit angezogen fühlen, werden sich mit dieser abgewandelten Form, wie ich sie praktiziere, wohler fühlen, vielleicht dann auch den Mut finden, sich auf diese Erkundungsreisen einzulassen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass sich dieses Einlassen lohnt.
[© September 2014]

Über Ursula Zauns

Biologin, Heilpraktikerin, Schriftstellerin, Euklamatiker – oder einfach ein Punkt im Universum, ein göttlicher Funke in menschlichem Gewand

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